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Die Mandoline
Obwohl dieses kleine Instrument der Gitarre an Vielseitigkeit kaum nachsteht, wird die Mandoline bei uns leider kaum noch gespielt.
Das war nicht immer so.
Zur Geschichte:
Im 9. Jahrhundert erfand man in Persien ein Instrument, das man schlicht nach seinem Baumaterial benannte: al (das) Ud (Holz). Dieses Instrument brachten die Araber auf ihrem Feldzug nach Europa mit, und aus der „Al Ud“ wurde die „Laute“: ein Resonanzkörper in der Form eines Schildkrötenpanzers, gefertigt aus aneinander geklebten Holzspänen, mit Saiten, die mit einem Plektrum angeschlagen wurden. Europa war damals, was den Bau von Musikinstrumenten anbelangte, sehr experimentierfreudig. Überall entstanden neue Saiteninstrumente, unterschiedlich in Form, Bespannung und Stimmung.
In Italien baute man im 17. Jahrhundert die kleinsten Lauten. Die Städte Florenz, Mailand und Neapel entwickelten Lauten, die man aufgrund ihrer Mandelform als „Mandolinen“ bezeichnete. Speziell die bauchige Neapolitanische Mandoline trat später ihren Siegeszug quer durch ganz Europa an und wurde sowohl am Hof als auch von immer breiteren Bevölkerungsschichten gespielt. Da sie in ihrer Stimmung wie die Violine gegriffen wird, hatten auch einfachere Leute die Möglichkeit, mit Hilfe dieses wesentlich kostengünstigeren Instrumentes klassische Musik zu spielen.
Herausragende Komponisten schrieben Musik für Mandoline. Vor allem Antonio Vivaldi ist hier zu nennen, der damit der Mandoline den Eingang in die Klassische Musik bereitete.
Immer mehr Mandolinen-Orchster entstanden. Da die Mandoline wie kaum ein anderes Instrument leicht und praktisch zu transportieren ist, fand sie große Verbreitung um 1900 in der so genannten Wandervogelbewegung: Man genoss die Natur und liebte das gemeinsame Singen am Lagerfeuer zur Begleitung der Mandoline.
Natürlich nahmen auch die aus allen Teilen Europas strömenden Einwanderer ihr beliebtes Instrument mit in die Neue Welt nach Amerika. Berühmte Gitarrenbauer wie die Firma Martin bauten auch wunderbare Mandolinen, zunächst noch in der alten, bauchigen, neapolitanischen Form. Orwell Gibson, der berühmte Urvater der legendären Gibson-Gitarren hatte eine großartige Idee: Warum sollte man nicht auch Mandolinen, ähnlich wie Gitarren, mit flachem Bauch und Zarge herstellen? 1898 ließ er sich diese Erfindung patentieren.
Diese Form der Mandoline wurde daraufhin sehr viel in der amerikanischen Folkmusik verwendet und ist in Amerika bis heute sehr verbreitet.
Die Mandoline spielte auch eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Entwicklung des Blues. Wir wissen heute, dass die ersten Blues-Musiker häufig die Mandoline als Instrument spielten. Aber viele schwarze Sklaven waren so arm, dass sie sich oft nicht einmal eine Gitarre leisten konnten, sondern „nur“ eine Mandoline. Aufgrund ihrer Armut gerieten sie schnell in Vergessenheit, weshalb auch kaum etwas von ihrer Musik aufgeschriebne wurde. Berühmt wurden dagegen die Gitarristen. Ihre Musik hat man aufgeschrieben und später auf Platten aufgenommen. Deshalb gelten heute oft die Gitarristen als die eigentlichen Erfinder des Blues. Der unglaublich virtuose Mandolinist Bill Monroe verknüpfte traditionelle Folk-Elemente mit dem Blues und erfand damit einen neuen Musikstil: „Bluegrass“. Diese Musik wurde weltberühmt. Auch heute noch gibt es unzählige Fans dieser mitreißenden Musik.
Die Mandoline heute:
Herausragende Musiker etablierten die Mandoline im Jazz: Andy Statman, John Abercrombie, David Grisman. Als heutige Vertreter sind vor allem Mike Marshall und Chris Thile zu nennen – erstklassige Virtuosen, die eine spannende Verbindung von Bluegrass, Jazz, Klassik und Weltmusik schaffen. Gelegentlich wird die Mandoline auch in der Rock- und Popmusik eingesetzt wie bei REM.
Ich persönlich habe eine ganz spezielle Beziehung zur Mandoline. Da ich meine Prüfung zur Zulassung als Musiklehrer auf der Mandoline absolvierte, habe ich einen ganz besonderen Zugang zu diesem Instrument. Ich möchte sogar sagen, dass sie seit dem eigentlich mein Lieblingsinstrument ist und mir aus diesem Grund ganz besonders am Herzen liegt.
Der Mandolinist Trevor Morriss aus England und ich haben vor einigen Jahren zusammen das Mandolinenduo „Playground“ gegründet. Mit eigenen Stücken für diese Formation versuche auch ich, die Mandoline weiterzuentwickeln und dieses großartige, universal einsetzbare Instrument bei uns ein bisschen bekannter und beliebter zu machen. Eine von dem Trostberger Gitarrenbauer Helmut Stadler eigens für mich konzipierte 5-saitige E-Mandoline ermöglicht mir, E-Gitarren-Techniken auf die Mandoline zu übertragen und mit Effekten wie Distortion, Echo, Loop usw. zu experimentieren.
Ich kann jedem Musikliebhaber die Mandoline nur empfehlen, sei es als Solo- oder als Begleitinstrument, für so unterschiedliche Musikstilrichtungen wie Klassik, Folk, Blues, Jazz, für südamerikanische Musik, oder einfach nur als Begleitinstrument zum Singen am Lagerfeuer. Dieses Instrument ist wirklich der Hammer.
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